Gesundes Arbeiten

Heiße Luft: Warum ein einziger Hitzetag 431 Millionen Euro verbrennt

23. Juni 2026 von Dr. Bernhard Frohn
aktualisiert am 
23. Juni 2026

Stellen Sie sich vor, ich biete Ihnen eine Geldanlage an. Für jeden Euro, den Sie investieren, bekommen Sie hundert Euro zurück. Jeden Monat, planbar, ohne Kursrisiko. Sie würden mich vermutlich für einen Hochstapler halten und höflich auflegen. Verständlich.

Diese Anlage gibt es trotzdem. Sie steht nicht an der Börse, sie steckt im Keller und in der Decke eines gut gebauten Bürogebäudes. Bevor ich Ihnen den Faktor 100 vorrechne, müssen wir aber über das Problem sprechen. Und das Problem heißt Hitze.

Was kostet ein heißer Tag wirklich?

Eine aktuelle Analyse von Prognos hat es beziffert: Ein einziger Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro. Das Bemerkenswerte daran steht in der Fußnote, knapp 97 Prozent dieser Kosten entstehen nicht durch kaputte Maschinen oder Ernteausfälle, sondern durch sinkende Produktivität. Wir reden hier also nicht über schmelzende Gletscher, wir reden über Menschen, die bei 33 Grad im Büro langsamer denken. Den lesenswerten Gastkommentar dazu finden Sie im Handelsblatt.

Rechnen Sie das auf einen Sommer hoch. Bei einer Handvoll Hitzetage sind wir schnell bei mehreren Milliarden Euro an verlorener Leistung. Und das trifft den Bürobetrieb mit voller Wucht, denn hier sitzen die teuersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir haben. Wer einen Wissensarbeiter bei 30 Grad auf Halbgas laufen lässt, verbrennt kein Material. Er verbrennt Wertschöpfung.

Wie teuer ist ein Büro ohne Kühlung?

Genau das lässt sich seit Kurzem ausrechnen. Wir haben auf unserer Website einen Produktivitätsrechner für das Büro online gestellt. Sie geben Ihre Zahlen ein und sehen, was fehlende Kühlung tatsächlich kostet.

Ein Beispiel: Bei einer Produktivität von 100.000 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr führt fehlende Kühlung schnell zu Mehrkosten von über 4 Euro pro Quadratmeter und Monat. Lesen Sie diesen Satz ruhig zweimal. Ein billiges Büro ohne Kühlung ist nicht günstig. Es ist richtig teuer, nur taucht die Rechnung eben nicht in der Nebenkostenabrechnung auf, sondern in der verlorenen Leistung Ihrer Leute.

Warum ist das nicht längst gelöst?

Jetzt könnte man meinen, das Problem sei trivial. Man baut eine Kühlung ein, fertig. So einfach ist es leider nicht.

Erstens machen klassische Klimaanlagen krank. Das ist keine Meinung, das hat die Forschung zum Sick-Building-Syndrom (krankmachende Gebäude) schon vor Jahren nachgewiesen. Zweitens, und das ist der eigentliche Punkt, liegt das Problem nicht allein in der Anlage, sondern in der Bauphysik. Bei Bürogebäuden mit großem Glasanteil steigt der Kühlbedarf so stark, dass immer mehr kalte und damit trockene Luft eingeblasen werden muss. Das Zusammenspiel aus Fassade und Anlagentechnik entscheidet also über alles. Eine schlechte Hülle können Sie mit keiner Klimaanlage der Welt geradebiegen, Sie machen es nur schlimmer.

Was wäre die bessere Lösung?

Ideal ist die Kombination aus einer Fassade mit gutem sommerlichem Wärmeschutz und einer Kühlung, die über Strahlung funktioniert statt über Luft. Strahlende Flächen mit moderaten Temperaturen sind deutlich behaglicher. Jeder kennt das aus dem Winter: Eine Fußbodenheizung fühlt sich angenehmer an als ein Heizlüfter, der einem heiße Luft ins Gesicht bläst. Im Sommer gilt dasselbe Prinzip, nur umgekehrt.

Die konsequente Form davon ist die Bauteilaktivierung (Rohrregister direkt im Beton von Boden und Decke). Boden und Decken strahlen den Menschen sanft an, im Winter mit Wärme, im Sommer mit Kühle. Das ist die behaglichste und zugleich effizienteste Heiz- und Kühltechnik, die ich kenne.

Und die Energiebilanz?

Hier wird es heikel, und ehrlich. Wer eine Klimaanlage mit fossil erzeugtem Strom betreibt, der kühlt sein Büro und heizt gleichzeitig das Klima auf. Der wärmere Planet sorgt für noch heißere Sommer, die heißeren Sommer für noch mehr Kühlbedarf. Ein Effekt, der sich langsam, aber stetig aufschaukelt. Wir bekämpfen das Symptom und füttern dabei die Ursache.

Deshalb ist die wirklich elegante Lösung die Kombination aus Erdkälte (Geothermie) und Bauteilaktivierung. Die Kälte aus dem Erdreich ist, bis auf den Strom für eine Umwälzpumpe, quasi kostenlos. Die Energiekosten solcher Systeme liegen bei etwa 4 Cent pro Quadratmeter Bürofläche und Monat.

Der Faktor 100

Jetzt sind wir wieder bei meiner Geldanlage vom Anfang. Stellen Sie die beiden Zahlen nebeneinander:

Auf der einen Seite 0,04 Euro pro Quadratmeter und Monat für die Kühlung. Auf der anderen Seite über 4 Euro pro Quadratmeter und Monat an vermiedenem Produktivitätsverlust. Das ist der Faktor 100. Mit vier Cent verhindern Sie einen Schaden von vier Euro.

Das hört sich nicht nur nach einem Geschenk an, das ist eines. Eine Effizienz von 100 zu 1 dürfte so ziemlich jede Marge in den Schatten stellen, die Sie mit Ihrem Kerngeschäft oder an der Börse je erwirtschaften. Und genau hier schließt sich der Kreis zu dem, was wir bei BOB seit Jahren bauen. Nicht das billigste Gebäude, sondern das wirtschaftlichste. Der Unterschied ist gewaltig.

Wenn der nächste Hitzetag kommt, und er kommt, dann fragen Sie sich nicht, was eine gute Kühlung kostet. Fragen Sie sich, was Ihr Büro ohne sie kostet.

Bleiben Sie neugierig und gut gekühlt!

Möchten Sie wissen, was Sie Ihr ungekühltes Büro so kostet? Dann nutzen Sie unseren kostenlosen Rechner: 

https://www.bob-ag.de/produktivitaet#4567

Quellen: Prognos-Analyse zu den volkswirtschaftlichen Kosten von Hitzetagen; Gastkommentar von Claudia Traidl-Hoffmann, Handelsblatt vom 10.06.2026; Studien zum Sick-Building-Syndrom; BOB-Produktivitätsrechner.

 

BOB Gründer Dr. Bernhard Frohn, Vorstand

Über den Autor Dr. Bernhard Frohn

Schon früh beschäftigte sich Dr. Bernhard Frohn mit dem Unternehmersein. Nach dem Studium des Maschinenbaus an der RWTH Aachen promovierte er im Bereich Photovoltaik und machte sich sofort selbständig. Als Energieeffizienzberater für Bestandsimmobilien und Neubauten verdiente er das erste Geld. Durch den Bau des eigenen Bürogebäudes, dem Balanced Office Building in Aachen, lernte er die Faszination für Architektur aber auch die Komplexität bei dem Bau eines Bürogebäudes kennen. Denn hier spielen nicht nur Themen wie Technik, Gebäudeorganisation oder gar Bauabläufe eine Rolle. Es sind vor allem die Themen des Unternehmertums und der Gestaltung neuer Arbeitswelten, die für Bernhard Frohn aus einem scheinbar simplen Büro eine echte Herausforderung in einer digitalisierten Welt machen. Daher schreibt er auf diesem Blog über ein breites Spektrum an Themen und hat viel Freude daran, neue zu entdecken.