Behaglichkeit

Behaglichkeit basiert als subjektives Empfinden auf der Wahrnehmung von Umgebungsbedingungen, wie Temperaturen, Luftbewegungen, Feuchtigkeit, Strahlungsgleichgewicht, Luftqualität, Beleuchtung oder Lärm und wird gleichzeitig durch individuelle Faktoren wie persönliche Kleidung, Aktivität oder den Gesundheitszustand beeinflusst. Jeder Nutzer wird sich je nach Einfluss der aufgezählten Faktoren auf sein Wohlbefinden mehr oder weniger zufrieden oder unzufrieden mit den raumklimatischen Bedingungen erklären. Behaglichkeit kann deshalb nur als statistische Größe erfaßt werden. Nicht jeder einzelne sondern die große Masse kann zufrieden gestellt werden. Durch einen Prozentsatz von „Unzufriedenen" in einem Raum kann die Behaglichkeit beschrieben werden. Hierzu gibt die DIN EN ISO 7730 wichtige Hinweise. Behaglichkeit wird häufig durch folgende Einflussgrößen beschrieben:

  • Thermische Einflussgrößen
    • Raumlufttemperatur
    • Temperatur der umschließenden Flächen
    • Luftfeuchtigkeit
    • Luftbewegung
  • Physikalische Einflussgrößen
    • Geräuschbildung
    • Raumelektrizität
  • Chemische Einflussgrößen
    • Geruchsstoffe
    • Kohlendioxid und andere Gase
    • Staub
  • Optische Einflussgrößen
    • Beleuchtung
    • Farben
  • Sonstige Einflussgrößen
    • Art der Tätigkeit
    • Kleidung
    • Geschlecht
    • Alter und Gesundheitszustand

Die Aufzählung zeigt schon, dass der Versuch, Richtwerte für jede Teileinflussgröße zu bestimmen, um so Behaglichkeit mit wissenschaftlichen - also reproduzierbaren - Methoden fassen zu können, schwierig ist.

Auch die Aussage, die Optimierung jedes Teils ergäbe ein optimiertes Ganzes erweist sich hier - wie in weiteren Disziplinen - als nicht zutreffend. Es gibt Wechselwirkungen zwischen den Einflussgrößen, die in Studien ermittelt wurden, die jedoch wissenschaftlich nicht immer zu erklären sind.

So zeigen zum Beispiel Studien zum sick-building-syndrom, dass ein reproduzierbarer Zusammenhang zwischen der Art der Beleuchtung eines Raumes und den Aussagen zur Güte der Luftqualität existiert, ohne das letztere wirklich verändert wurde. Hier kommt die Psyche als Einflussgröße ins Spiel. Der Mensch ist keine Maschine. Er nimmt wahr und interpretiert die Wahrnehmung mit teilweise Jahrtausende altem Erfahrungshintergrund.

Unser Auge zum Beispiel ist an ein bestimmtes Lichtspektrum der Sonne gewöhnt, so dass Kunstlicht uns unnatürlich und teilweise unbehaglich erscheint. Der Schluss aus dieser Aussage, Lampen mit Tageslichtspektrum seien die Lösung für eine behagliche Innenbeleuchtung, ist jedoch nicht korrekt, da in geschlossenen Räumen ein rötlicheres Farbspektrum des Lichts (offenes Feuer, Kamin) für den Menschen nicht unbekannt ist. Befragungen von Nutzern, die am Arbeitsplatz Leuchtstofflampen mit Tageslichtspektrum im Einsatz haben, führten zu einem indifferenten Ergebnis.